
„Grün gedacht – smart gemacht“
Das war das Motto der Landespflegetage am 24. und 25. Februar in Veitshöchheim mit rund 660 zahlenden Teilnehmern und über 60 Ausstellern. Die Vorträge lieferten spannende Einblicke und praktische Lösungsansätze für die Branche und die Städte der Zukunft.
von Redaktion erschienen am 03.03.2026
Der diesjährige Kongress stellte kluge und innovative Lösungen vor für den Bau und die Planung von resilienten, effizienten und menschengerechten Grünflächen. Dabei wandelt sich auch das Bild von Pflege: „Was gestern noch als Reststoff galt, kann morgen ein wertvoller Bestandteil nachhaltiger Stoffkreisläufe sein“, bringt es Jörg Hirsche, Leiter der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), auf den Punkt.
1Die Referenten und ihre Themen
Der erste Veranstaltungstag thematisierte das „Gestalten mit Ressourcen und Pflanzen“, der zweite die „Organisation und Innovation für morgen“.
Thema von Ralph Schäffner, Geschäftsführer des Planungsbüros arc.grün aus Kitzingen war der Stadtboden. Um langlebiges, klimaregulierendes Grün zu etablieren, fordert Schäffner auf, die Standortbedingungen primär für Bäume zu verbessern. Maßgeblich dabei seien das durchwurzelbare Bodenvolumen und die Verfügbarkeit von Wasser.
Ein mittelgroßer Laubbaum wandelt bis 30.000 l Wasser pro Jahr in Wasserdampf um und verbraucht dabei ein Energieäquivalent von etwa 1.700 l Heizöl. Ralph Schäffer, arc.grün
Unter diesem Titel gab Nikolai Kenzia, Institutsleiter Stadtgrün und Landschaftsbau (ISL) an der LWG, Einblicke in das hauseigene Forschungsprojekt, bei dem Baumrigolen hinsichtlich ihrer Speicherfunktion untersucht wurden.
Die bedarfsgerechte Bewässerung anhand von Wetter- und Bodenfeuchtedaten zeigt dabei das Potenzial, Wasser und Arbeitszeit einzusparen. Eine abschließende Evaluierung soll klären, wie gut die Rigolen für die untersuchten Baumstandorte funktionieren und welche gezielte Bewässerung es für ein optimales Ergebnis benötigt.
Die Sensortechnik erlaubt es, Wasser, Kosten und Fahrtzeit einzusparen. Nikolai Kendzia, ISL
Darüber sprach Stefan Stevanovic von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Stevanovic plädierte in seinem Vortrag für naturnahe Ansätze anstelle der technikbasierten Lösungen. Denn die häufig übertechnisierten Schwammstadtprojekte schaffen oft Abhängigkeiten und hohen Wartungsaufwand. Die in der Schweiz untersuchten einfachen bodenbasierten Lösungen funktionierten meist weitaus robuster, so sein Resümee. Beispielsweise sei eine ausreichende Belüftung auch ohne Rohre erreichbar, sofern der Boden offenporig, strukturstabil und dauerhaft kapillar bleibe.
Häufig bleibt die Planung hinter der Entwicklung der Schwammstadtidee zurück. Stefan Stevanovic über das Ungleichgewicht zwischen Planung und Umsetzung
Landschaftsarchitektin Ingrid Gock gab kritische Einblicke in die Verwendung von Substraten. Ihr Fazit: Die Verwendung anstehenden Bodens habe generell Vorrang vor dem Einsatz von Substraten. Mit geeigneten Bodenhilfsstoffen (auch Sand) lasse sich der Boden für das jeweilige Begrünungsziel optimieren, was letztlich auch viel nachhaltiger sei.
So lautete der Vortrag von Nora Huxmann und Patricia Werner von der TU Dresden. Ihr Beitrag diskutierte die Relevanz landschaftsbezogener Planung und tragfähiger Pflegekonzepte für naturnahe Spiellandschaften, veranschaulicht anhand eines studentischen Projekts.
Der Naturbegriff ist nichts Feststehendes (…). Natur ist nichts Objektives. Professorin Nora Huxmann, TU Dresden
Theresa Edelmann vom ILS Veitshöchheim stellte hierzu ihre aktuellen Untersuchungsergebnisse vor: Rote Blattpigmente können ein Vorteil bei der Klimaanpassung sein, so ein Resümee. Auch wenn grün belaubte Pflanzen unter optimalen Bedingungen überlegen seien, könnten rotlaubige Gehölze Stressfaktoren häufig besser kompensieren. Eine gezielte Auswahl rotlaubiger Gehölze verbessere die Risikostreuung und erhöhe die urbane Artenvielfalt.
Unter optimalen Bedingungen ist die grünbelaubte Pflanze überlegen, unter Stress können Rotlaubige das häufig kompensieren. Theresa Edelmann, ILS
Lennart Dittmer vom ILs berichtet aus seinem Pilotprojekt zu Mähgut als Ressource. Denn das aktuelle Abfallrecht bremst das Thema aus.
Das Klimaschutzpotenzial der Verwertung sei hoch, daher schlägt er gesetzliche Anpassungen vor, damit Mähgut nicht mehr als Abfall qualifiziert, sondern als Wertstoff genutzt werden könne. So ließen sich relativ einfach unbedenkliche Herkunftsorte aus dem Kreislaufwirtschaftsgesetz herausnehmen und für vielfältige Verwendungsmöglichkeiten nutzen.
Jan Stoll von der Ostschweizer Fachhochschule (OST) thematisierte den zukunftsweisenden Ansatz von BIM und AR am Beispiel der neuen Großvoliere im Zürcher Zoll.
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie digitale Werkzeuge die Planung großer und ökologisch anspruchsvoller Projekte unterstützen und die Qualität interdisziplinärer Zusammenarbeit erhöhen können.
BIM und AR ermöglichen eine neue Qualität der Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Jana Stoll, OST
Gert Bischoff, Professor i. R. von der Fachhochschule Erfurt, sprach über die Überarbeitung des FLL-Regelwerks zu Wassergebundenen Wegen. Da sich die Baustoffe für Deckschichten und für Dynamische Schichten seit der letzten Auflage 2007 weiterentwickelt haben, war eine Überarbeitung angebracht. Die bisherigen Standardbauweisen bleiben grundsätzlich erhalten, aber die Empfehlungen zu Schichtdicken, Körnungen und Tragfähigkeitswerten haben sich geändert.
Es ist an der Zeit, dass für die ökologisch (…) und klimatisch günstigeren Wassergebundenen Beläge Untersuchungen (…) erfolgen, um die (hoffentlich) günstigeren Werte auch wissenschaftlich nachweisen zu können. Gert Bischoff
Heiko Meinen, Professor an der Hochschule Osnabrück, thematisiert Nachhaltigkeit nicht nur als ethische Verpflichtung, sondern als zunehmend entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Daher seien nicht die gesetzlichen Pflichten maßgeblich, sondern die ureigene unternehmerische Pflicht, den Betrieb auf die herrschenden Marktrahmenbedingungen einzustellen. Nur so könne man langfristig wettbewerbsfähig bleiben.
Veranstalter
Veranstalter sind der Verband ehemaliger Veitshöchheimer zusammen mit dem Institut für Stadtgrün und Landschaftsbau (ISL) an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) sowie dem Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (VGL) Bayern.
Ehrung
Zu Beginn ehrte der VGL Jürgen Eppel, den ehemaligen Leiter des ISL, sowie Angelika Eppel-Hotz, stellvertretende Leiterin des ISL-Arbeitsbereichs Urbanes Grün, für ihre jahrzehntelangen Verdienste für den Garten- und Landschaftsbau in Forschung, Bildung und Gremienarbeit. Beide waren im vergangenen Herbst in den Ruhestand getreten. Der neue Institutsleiter ist Nikolai Kendzia.
























Zu diesem Artikel liegen noch keine Kommentare vor.
Artikel kommentierenSchreiben Sie den ersten Kommentar.