
Sunblock City – wie kühlen wir unsere Städte wieder ab?
Die steigenden Temperaturen in unseren Städten zwingen uns zu handeln: Es ist nicht nur eine Frage des Komforts, sondern auch eine Frage der Gesundheit und des Überlebens, wie wir unsere Städte an die erhöhte Hitzebelastung anpassen und uns vor der intensiven Einstrahlung schützen. Ursula Nothhelfer, Professorin an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) lädt am 18. Juni zur avela-Tagung „Sunblock City“ ein, um über die Zukunft der überhitzten Städte zu diskutieren.
von Heike Vossen erschienen am 21.01.2026Und wie steht es um den „richtigen Klimabaum“ – da tobt ja fast schon ein Glaubenskrieg? (lacht) Ja, die Debatte hat etwas von einer theologischen Auseinandersetzung. Aber Ideologie hilft dem Stadtklima nicht weiter. Wir müssen pragmatisch denken. Wenn ein Baum Schatten und Kühlung spendet, den zunehmenden CO2-Gehalt in der Atmosphäre gut in Wert setzen kann und sich dabei nicht invasiv verhält, sollte er willkommen sein – egal, ob seine Urahnen in Südfrankreich, Ungarn, Italien oder in der Pfalz wurzeln. Viele meiner Studierenden sind kritisch gegenüber Neophyten, aber Differenzierung ist wichtig. Nicht jede fremde Art ist ein ökologischer Feind. Karlsruhe experimentierte schon im ersten Botanischen Garten mit Arten, die heißen, trockenen Sommern in der Rheinebene besser trotzten und gut durch den Winter kamen, das ist ja auch ein Teil unserer Gartentradition. Wir haben auch in Karlsruhe über 100 Jahre alte vitale Zyrgelbäume, Zerreichen, Pinien, Turners Eichen und Blumeneschen. Jetzt müssen längst die nächsten Neuen kultiviert und getestet werden, statt noch lange auf rückblickende Studien zu warten. Der Zoologische Stadtgarten und Botanische Garten in Karlsruhe sind wahre Arboreten an Klimabäumen, die sich hier schon lange bewährt haben. Unsere Maßgabe als Landschaftsarchitekten lautet: „Besser ein vitaler Gast als ein heimischer Hitzetoter in den überhitzten Städten.“ Selbst Götterbäume können Teil der Lösung sein – sofern sie männlich und nicht „Superspreader“ sind, lassen wir sie weiter wachsen. Es geht um Diversität, um Versuch und Irrtum. Die Stadtnatur braucht in diesen ungewissen Zeiten mehr Versuchsanbau als Verbotstafeln.
„Besser ein vitaler Gast als ein heimischer Hitzetoter in den überhitzten Städten.“ Ursula Nothhelfer, Professorin an der HfWU, zur Debatte über Klimabäume

Entsiegelung ist ein weiterer Schlüssel im Kampf gegen unsere überhitzten Städte. Was einfach klingt, ist in der Umsetzung oft komplizierter. Wie sind Ihre Erfahrungen? Sind die Städte dazu auch bereit? Absolut, die Bereitschaft ist da – und sie wächst mit jedem Hitzesommer. In fast allen Kommunen entstehen derzeit Entsiegelungsprojekte, von innerstädtischen Plätzen bis hin zu Wohnquartieren. Die Herausforderung beginnt jedoch nach dem ersten Spatenstich: Der Unterhalt muss leistbar bleiben. Häufig treffen hier die Zuständigkeiten von Stadtplanungs-, Tiefbau- und Grünflächenämtern aufeinander – und nicht immer harmonisch. Manche Schnittstellen müssen buchstäblich neu verhandelt werden. Problematisch wird es, wenn Entsiegelung zu kleinteilig gedacht ist. Kleine entsiegelte Ränder ohne klare Pflegeperspektive kippen schnell in vernachlässigte unklare Zonen. Wenn wir Asphalt aufbrechen, müssen wir auch Verwaltungsstrukturen auflockern – sonst wächst das Gras nur zwischen den Zuständigkeiten. Zum Abschluss – worauf können wir uns bei der diesjährigen avela-Tagung freuen? Auf viele inspirierende Köpfe! Henry Bava aus Frankreich zeigt, wie Entsiegelung, Wasserkreisläufe und Gestaltung Hand in Hand gehen. Frieder Weigand präsentiert hitzeresiliente Ansaaten, die nicht nur schön aussehen, sondern Insekten anziehen – Biodiversität als natürliche Klimaanlage. Sven König quantifiziert konkret Baumleistungen einzelner aufgenommener Bäume im Stadtraum und zeigt uns diese Tools für Kommunen an einem ausgewählten Projekt aus dem noch stärker hitzegeplagten Spanien. Dieter Lohr wird über neue Formen der Dachbegrünung referieren. Und ich selbst berichte gemeinsam mit Mario Köhler vom Gartenbauamt Karlsruhe über das Forschungsprojekt „Urboretum“, das unter Leitung des KIT Karlsruhe untersucht, welche Zuwachsraten eine Palette ausgewählter Klimabäume im Oberrheingraben auch in den Trockenjahren hatten. Grüne Städte sind heute keine Luxusfrage, sondern eine Überlebensstrategie mit Stil, das wollen wir auf der Tagung mit spannenden Beiträgen aus Praxis und Forschung demonstrieren.
„Wenn wir Asphalt aufbrechen, müssen wir auch Verwaltungsstrukturen auflockern – sonst wächst das Gras nur zwischen den Zuständigkeiten.“ Ursula Nothhelfer, Professorin an der HfWU
Termin: 18. Juni 2026
Ort: Stadthalle K3N in Nürtingen
Programm und Anmeldung: www.hfwu.de/avela-tagung-anmeldung/










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