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Klimaresilientes Quartier ausgezeichnet

Bochumer Ostpark prämiert

Die Stadt Bochum wird für die Schwammstadtgestaltung des Quartiers Ostparks mit dem Preis für „Grün.Blaue Infrastruktur“ ausgezeichnet.

von Stadt Bochum erschienen am 17.02.2026
Der Ostpark wird nach dem Schwammstadt-Prinzip realisiert, das Regenwasser an der Oberfläche ähnlich wie ein Schwamm aufnimmt, speichert und nutzen kann. © Stadt Bochum
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Wie können wir unsere Städte klimaresilient, lebenswert und zukunftsfähig gestalten? Antworten darauf gibt die Stadt Bochum mit dem Projekt „Ostpark“, das als erstes klimaresilientes Quartier der Stadt ein Best-Practice-Beispiel für zukunftsweisenden Städtebau ist. Auf der InfraTech 2026, der Fachmesse für Infrastruktur in Essen, wurde der Preis für Grün.Blaue Infrastruktur 2026 ausgezeichnet: Gewürdigt für ihr innovatives Regenwassermanagement im Quartier wurde die Stadt Bochum gemeinsam mit BPR Ingenieure und dem Büro Henning Larsen in der Funktion der Landschaftsplanung.

„Der Ostpark ist ein klares Beispiel dafür, wie grün-blaue Infrastruktur in der Praxis funktioniert. Wir bauen hier nicht nur ein Quartier, sondern ein Stück Zukunft, das besser gegen die Folgen des Klimawandels gewappnet ist und das Wohnen in der Stadt lebenswerter macht“, erklärt Heike Möller, Amtsleiterin für Stadtplanung und Wohnen, die für die Stadt Bochum den Preis entgegengenommen hat.

So funktioniert das Schwammstadtprinzip im Detail im Quartier Ostpark:

Die Gracht mit Promenade ist das Herzstück des Quartiers – und Kernelemente der Schwammstadt. Die Verdunstung des Wassers hat einen kühlenden Effekt auf die unmittelbare Umgebung.
Die Gracht mit Promenade ist das Herzstück des Quartiers – und Kernelemente der Schwammstadt. Die Verdunstung des Wassers hat einen kühlenden Effekt auf die unmittelbare Umgebung. © Marco Stepniak

Regenwassermanagement im Quartier

Die Besonderheit des Quartiers Feldmark im Ostpark ist der Umgang mit dem Wasser. Regenwasser wird hier komplett an der Oberfläche gehalten und nicht mehr – wie bisher üblich – kanalisiert und abgeleitet. Im neuen Wohnquartier im Stadtteil Altenbochum rund um den historischen Friedhof wird Wasser vielmehr aufgefangen und gespeichert, es kann versickern und wird Bachläufen zugeführt. Durch die Versickerung des Regenwassers in Mulden und Rigolen entsteht neues sauberes Trinkwasser im Grundwasserspeicher. Wenn es im Quartier Feldmark regnet, wird überschüssiges Wasser von Dächern und Wegen gesammelt und durch offene Entwässerungsrinnen und -gräben in eine Gracht geführt. Das minimiert die Auswirkungen von Überschwemmungen und starken Regenfällen. Die Verdunstung des Regenwassers hat einen kühlenden Effekt auf die unmittelbare Umgebung. Gleichzeitig wertet der offene Wasserlauf die Umgebung deutlich auf.

Biologische Reinigung und Wasserrückhalt

Von der Gracht fließt das gesammelte Wasser zu einem Wasserplatz im Nordosten des Quartiers. Dort wird es mechanisch und biologisch gereinigt – ähnlich wie bei einem Filter im Aquarium. Unter der bis zu 40 cm hohen Wasseroberfläche liegen verschiedene Kiesschichten, unter denen sich spezielle Kästen befinden. Diese halten das Wasser zurück und speichern es. Eine Pumpstation leitet das Wasser unterirdisch zurück zum Beginn der Gracht, wo es aus Quelltöpfen heraussprudelt und wieder in den Wasserlauf fließt. Ein in die Pumpe eingebauter Wasserstandssensor sorgt dafür, dass das Wasser nur bei Bedarf zurückgepumpt wird. So wurde ein Wasserkreislauf realisiert, der es ermöglicht, dass Wasser im Quartier durchgehend verdunsten kann.

Sammlung des überschüssigen Wassers

Wenn die Speicherkapazitäten bei stärkeren Regenfällen im Wasserplatz nicht mehr ausreichen, fließt überschüssiges Wasser durch den einzigen Regenwasserkanal im Quartier unter den Donezk-Ring in den Havkenscheider Park. Dort wird es über viele Gräben und Mulden sowie durch den Landschaftssee geführt. Auf Flächen kann das Wasser stehen und sich bei Starkregen verteilen. Vom Park aus wird das Wasser in das zukünftige Quartier Havkenscheider Höhe geleitet. Auch dort verläuft es größtenteils an der Oberfläche und wird letztlich bis zur A 43 geschickt. Dort verschwindet das Wasser in einem vorhandenen Rohr, das direkt den Harpener Bach einspeist.

Raingarden als Regenrückhaltebecken

Nicht nur der Wasserplatz im Quartier Feldmark kann Wasser speichern, sondern auch der sogenannte Raingarden. Besonders bei Starkregenereignissen hat der Raingarden eine Rückhaltefunktion: Durch Schotterkies wird das Wasser gesammelt und auf natürliche Weise gereinigt. Über einen kleinen Spalt wird es dann kontrolliert in den Wasserkreislauf geführt. Dabei drosselt die Öffnung die Wassergeschwindigkeit, sodass Wassermassen keine große Kraft entwickeln können.

Wasserspielplatz nach Schwammstadtprinzip

Direkt neben dem historischen Friedhof im Zentrum des Quartiers Feldmark entsteht ein multifunktionaler Wasserspielplatz mit einer Gesamtfläche von 4.800 Quadratmetern. Sechs verschiedene Stationen zum Sand- und Wasserspiel, Schaukeln und Klettern fördern Bewegung, wecken Mut sowie Neugier und bieten Platz für Regeneration. Auch der Spielplatz entspricht dem städtischen Schwammstadtprinzip. Johanna Reisch von der Henning Larsen GmbH Hamburg, dem Architekturbüro, das mit der Planung des Wasserspielplatzes beauftragt wurde, erläutert: „Die Fontänen auf dem Wasserspielplatz werden aus Hygienegründen mit Trinkwasser bespeist, während die bodenbündigen Quellpunkte mit aufbereitetem Regenwasser bespielt werden. Überschüssiges Wasser fließt direkt von der Spielfläche in die Gracht ab. Dadurch wird das Wasser des Wasserspielplatzes nahtlos in den Wasserkreislauf integriert.“

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