Der Materialeinsatz für Leimholzlatten ist wesentlich geringer als für die Herstellung von Massivholzlatten. © Nordbahn gGmbH
Leimholz im Außenraum klingt für viele zunächst ungewöhnlich. Mit welchen Vorbehalten oder Fragen werden Sie in Gesprächen konfrontiert?
In Gesprächen geht es meist um Vorbehalte und Zweifel. Einer davon ist die Befürchtung, dass sich der Leim nach einiger Zeit lösen könnte.
Gibt es für Planer oder Hersteller überhaupt Anlass, über Alternativen zur massiven Banklatte nachzudenken?
Viele haben noch kein Bewusstsein dafür, warum eine Alternative sinnvoll sein kann. Ich bekomme heute problemlos komplette Banklatten aus Lärche oder Douglasie – da muss ich nicht über Leimholz nachdenken, obwohl es aus vielen Gründen eine gute Idee ist.
Thomas Kinast
Was spricht aus Ihrer Sicht überhaupt dafür, die klassische massive Banklatte zu hinterfragen?
Wir haben in Deutschland kein Holzmengenproblem, sondern ein Qualitätsproblem. Seit vielen Jahren beobachte ich, dass die Qualität der Hölzer schlechter wird – für massive Latten muss man sich in Bezug auf Holzgüte die Rosinen herauspicken. Als Betriebswirt war ich zunächst irritiert, wie viel Material ich verschwende, um das Endprodukt Banklatte zu bekommen. Bei Leimholz habe ich eine bessere Ausbeute und kann mehr Holz verwenden, nicht nur die „Filets“.
1
Wie hoch ist der Materialeinsatz bei einer klassischen Banklatte aus Massivholz?
Bei der konventionellen Herstellung benötige ich mindestens den dreifachen Materialeinsatz, je nach Länge und Breite des Produkts sogar mehr. Neben der Tatsache, dass durch das Kappen und Hobeln ein Verschnitt entsteht, fallen aber auch viele Bestandteile einer Holzbohle heraus, die eben Äste, Krümmungen, Risse oder das nicht witterungsbeständige Splintholz beinhalten. Was ich mich immer gefragt habe: Warum muss man derart hohe Ansprüche an die Ausgangsmaterialien stellen für ein Produkt, das im öffentlichen Raum vollständig bewittert und mitunter auch sehr intensiv genutzt wird? Geht es nicht auch anders?
Thomas Kinast
Welche Einschränkungen gibt es bei der Länge von Massivlatten?
Ein Stamm kann Astlöcher, Holzfehler und Krümmungen haben, die ihn für lange Latten ungeeignet machen. Eine Banklatte hat im Durchschnitt eine Länge von 2 m. Wenn nach 1,70 m ein Fehler im Holz ist, ist die Latte zumindest für das Ursprungsprodukt unbrauchbar. Ich könnte sie aber auf 1,65 m abschneiden – das ist unser Ansatz. In unseren Leimholzbanklatten können wir Bestandteile bereits ab einer Länge von 21 cm verwenden. Der Ausschuss ist deutlich geringer.
Die Latten werden verleimt angeliefert und sind bei der Nordbahn gGmbH das Ausgangsmaterial für die Leimholzbänke. © Nordbahn gGmbH
Gibt es noch weitere Vorteile von Leimholz?
Ja, wir haben auch geringere Vorgaben an das Ausgangsmaterial. Die Güteklasse von Holz bemisst sich nach verschiedenen Kriterien, zum Beispiel nach der Astigkeit, Rissen und dem Faserverlauf. Eine Lärche oder Douglasie sollte bei Banklatten der Güteklasse A/B entsprechen, also beispielsweise wenige bis gar keine Äste haben. Für die kurzen Lamellen kann ich diese Fehler einfach ausschneiden und alles andere in das Produkt einfließen lassen.
Wie ist eine Leimholz-Banklatte konstruiert?
Unsere NOBA-Leimholzlatten sind zweilagig aufgebaut. Die Lamellen einer Lage sind keilgezinkt und werden in der Länge miteinander verleimt. Wenn Sie Bretter aus einem Stamm schneiden, entstehen Latten mit stehenden und liegenden Jahresringen. Für Banklatten eignen sich am besten stehende Jahresringe – also senkrecht zur Oberfläche –, weil das Holz formstabiler ist und eine geringere Rissanfälligkeit aufweist. Holz mit liegenden Jahresringen und auch Splintholz können wir als untere Schicht verwenden, wo es konstruktiv geschützt wird und nicht der ständigen Bewitterung ausgesetzt ist.
Die Lamellen einer Lage sind keilgezinkt. © Hendrik Gergen
Wie können Sie nachweisen, ob Leimholzlatten im Außenraum tatsächlich dauerhaft funktionieren?
Um sicherzugehen, dass sich bei unseren Leimholzlatten nichts löst oder splittert, haben wir das Institut für Holztechnologie in Dresden beauftragt, die Latten intensiv zu prüfen. Untersucht wurden die Biegefestigkeit, die Festigkeit der Keilzinken sowie das Verhalten bei extremen Belastungen. Das IHD hat auch die Holzauswahl geprüft: Ist das Holz für Latten geeignet? Wie wurde es verarbeitet und sortiert? Alle Latten haben die Tests erfolgreich durchlaufen – das Ergebnis hat uns sehr gefreut und stellte für uns eine Art Freigabe für unser Vorhaben dar.
Gab es auch Praxistests außerhalb des Labors?
2023 haben wir 50 Bänke belattet. Dafür haben wir Partner gesucht, darunter Landschaftsarchitekten, die TU Berlin und einige Bezirksämter. Die Bänke wurden von 20 Partnern aufgestellt und im Alltag getestet – sogar im Berliner Stadtraum, wo sie nicht unbedingt geschont werden. Bisher gab es keine Probleme, lediglich ganz normale Abnutzungserscheinungen wie bei anderen Bänken auch. In den drei Jahren gab es keine Hinweise auf Mängel und nur erfreuliche Resonanz. Übrigens überzeugen die Bänke auch optisch: Wir haben Studenten der TU Berlin gefragt, ob ihnen im Vergleich zu anderen Bänken etwas auffällt. Niemand hatte bemerkt, dass es sich um Banklatten aus Leimholz handelt. Um das Leimholz wahrzunehmen, muss man wohl eher den Blick eines Tischlers haben.
2
Was bedeutet das für Landschaftsarchitekten in der Planung – unterscheidet sich eine Leimholzlatte von herkömmlichen Banklatten?
Für Planer ändert sich zunächst einmal nichts. Die Latten haben die gleichen Maße wie herkömmliche Banklatten und können in bestehenden Konstruktionen verwendet werden. Auch optisch gibt es keinen Unterschied. Für uns war wichtig, dass die Lösung in der Praxis genauso funktioniert wie eine klassische Latte – nur mit besserer Materialausnutzung.
Wo ordnen Sie die Leimholzlatte im Vergleich zu anderen Materialien ein – etwa Tropenhölzern oder modifizierten Hölzern?
Die üblichen Banklatten sind weiterhin erhältlich – auch bei uns. Es gibt noch kein ausreichendes Problembewusstsein dafür, dass eine durchgehende Lärchenbanklatte mit einem sehr hohen Materialeinsatz produziert werden muss. Uns geht es allerdings auch gar nicht darum, die verschiedenen Produkte gegeneinander auszuspielen. Banklatten aus Tropenhölzern und modifizierten Hölzern sind unseren heimischen Hölzern – egal ob als durchgehende Latte oder als Leimholz – in puncto Dauerhaftigkeit meist überlegen. Mit der Leimholzlatte können wir jedoch eine heimische Alternative bieten, von der wir wissen, woher sie kommt und dass sie ressourcenschonend in Deutschland hergestellt wurde.
Die Leimholzlatten wurden im Institut für Holztechnologie in Dresden auf Herz und Nieren geprüft. © Hendrik Gergen
Banklatten aus Leimholz
- geringere Mindestlängen des Holzes
- deutlich höhere Materialausbeute
- getestet vom Institut für Holztechnologie Dresden
- Praxistest mit 50 Bänken im Berliner Stadtraum
Latten aus Leimholz: eine heimische, ressourcenschonende Alternative zur Massivholzlatte © Hendrik Gergen
Holzverfügbarkeit: Qualität spielt eine zentrale Rolle
Die Holzverfügbarkeit lässt sich nicht allein über die Gesamtmenge beurteilen. Entscheidend sind Baumarten, Dimensionen und Qualitäten, erläutert Dr. Wolfram Scheiding vom Institut für Holztechnologie Dresden. Trotz Kalamitätsschäden ist in Deutschland weiterhin viel Holz vorhanden. Gleichzeitig verändern sich die Bestände: Fichte wird künftig seltener, während der Anteil von Laubholz zunimmt. Laubholz wächst jedoch deutlich langsamer als Nadelholz, und auch die für die Sägeindustrie geeigneten Qualitäten sind begrenzt.
Hinzu kommt eine weitere Entwicklung: In manchen Regionen wachsen zunehmend dicke Nadelholzbäume heran, mit denen viele Sägewerke Schwierigkeiten haben, weil deren Produktionsprozesse auf mittlere Stammdurchmesser ausgelegt sind.
Autor:in
Susanne Wannags
ist Sozioökonomin und Fachjournalistin. Seit 2001 schreibt sie Beiträge über und für die Grüne Branche, angefangen bei Zeitschriften für den Garten- und Landschaftsbau bis zu Magazinen für Landschaftsarchitektur. Außerdem bietet sie Texte, Grafik, Fotos und Mediaberatung für Unternehmen an. Kontakt: info@4c-textprojekte.de
Zu diesem Artikel liegen noch keine Kommentare vor.
Artikel kommentierenSchreiben Sie den ersten Kommentar.