
Rentnerschutzbügel
Franz Gerhard, leidgeprüftes Bauausschuss- und Kreistagsmitglied, berichtet in unserer Kolumne.
von Franz Gerhard erschienen am 15.04.2026In den vergangenen Jahren hat sich unsere Haupteinkaufsstraße ihrer Zielgruppe angepasst. Neben der Apotheke und dem Optiker finden sich jetzt hier auch ein Sanitätshaus, ein Fachgeschäft für Hörgeräte und eine Hauskrankenpflege. Ergänzt wird dies durch neue Sitzbänke im öffentlichen Straßenraum. Von der Kundschaft wird zudem die Möglichkeit des kostenlosen Parkens direkt vor den Läden geschätzt. Die zu beobachtenden Einparkmanöver lassen sich dabei am besten mit dem Adjektiv „abenteuerlich“ beschreiben. Kleine Rempler gehören zur Tagesordnung, Fahrerflucht leider auch. Die Laternenmasten könnten davon vermutlich ein Lied singen, wären sie nur musikalischer. So müssen sie die unliebsamen Kontakte durch Kratzer und Schiefstand mitteilen.
Die „Angelegenheit“ ist leider recht kostspielig und dürfte aufgrund der häufig nicht ermittelbaren Verursacher den Gemeindehaushalt inzwischen signifikant tangieren – eine Sachlage, in der man anfängt über Vorteile eines Überwachungsstaates nachzudenken. Doch statt datenschutzrelevanter Kameras beschützen neuerdings hohe Metallbügel die Masten.
Den Hintergrund dieser Baumaßnahme wollte der Sprecher des Seniorenbeirats in der letzten Bauausschusssitzung vom Bürgermeister höchstpersönlich erläutert wissen: „Sind das Rentnerschutzbügel?“ „Zuallererst sind es Laternenschutzbügel“, begann dieser noch recht souverän, um dann süffisant fortzusetzen: Zudem sei die Statistik bei unerkannt flüchtigen Unfallverursachern von Natur aus mit größeren Ungenauigkeiten verbunden. Allerdings scheine das Durchschnittsalter der dort parkenden Geschäftsbesucher in der Tat allgemein erhöht zu sein.
Sichtlich triumphierend resümierte der Sprecher des Seniorenbeirats: „Rentnerschutzbügel – habe ich doch gesagt. Wurde ja auch Zeit, dass man da endlich mal was macht!“










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