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Porträt Planung: Cobe, Kopenhagen (DK)

Im Mittelpunkt: Menschen und Nachbarschaften

Cobe ist für sein innovatives, nachhaltiges und gemeinschaftsorientiertes Design bekannt. Welche Philosophie und Gedanken hinter ihren Projekten stecken, erläutert Karoline Liedtke-Sørensen, Head of Landscape bei Cobe

von Laura Puttkamer erschienen am 12.12.2025
Blick auf den Opera Park in Kopenhagen. Die Blüte in der Mitte ist der Ausgang des Parkhauses. © Cobe
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„Cobe macht einen Mix aus Projekten, der nie ganz scharf abgrenzbar ist“ – so beschreibt Karoline Liedtke-Sørensen das Büro, seit 2019 Head of Landscape bei Cobe architects in Kopenhagen. Die studierte Landschaftsarchitektin arbeitete für Topotek 1 in Berlin und war auch wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HafenCity Universität in Hamburg. Bei Cobe baute Liedtke-Sørensen ab 2014 die Landschaftsarchitektur-Spezialisierung mit auf – heute eine tragende Säule des fast 20 Jahre alten Büros mit über 40 Landschaftsarchitekten innerhalb von 180 Mitarbeitenden.

„Wir denken und entwerfen quer durch alle Maßstäbe.“ Karoline Liedtke-Sørensen, Cobe

Cobe ist für sein innovatives, nachhaltiges und gemeinschaftsorientiertes Design bekannt, das Menschen und Nachbarschaften in den Mittelpunkt stellt. Gegründet im Jahr 2005 von Dan Stubbergaard, kombiniert es skandinavischen Stil mit zukunftssicheren Lösungen. Der Opernpark und die Transformation des Nordhavns sind bekannte Beispiele für die Arbeit des Büros. „Wir denken und entwerfen quer durch alle Maßstäbe, von der Landschaft über die Stadt bis hin zum Stadtraum“, so die Landschaftsarchitektin. Der Versuch, eine bestimmte Handschrift festzustellen, funktioniert nicht. Aber das ist in sich eine Besonderheit von Cobe: „Wir haben nicht den einen großen Stil und versuchen das auch gar nicht: Jeder Ort, an dem wir arbeiten, entwickelt ein ganz bestimmtes Projekt und lässt es entstehen – ortsabhängig, geprägt von den Menschen, die dort leben und ihn benutzen werden.“ Viele dieser Prinzipien finden sich in Cobes Buch „Our Urban Living Room“ wieder, das beschreibt, wie der öffentliche Raum als Wohnzimmer fungiert – ausgestattet mit Wertschätzung für gutes Design und gute Pflanzen, aber auch als Ort, um soziale Probleme und Klimawandel zu diskutieren.

Unsere Philosophie

Cobe gestaltet Städte, Landschaften und Gebäude zu besonderen und dennoch alltagsnahen Orten. Aus der skandinavischen Designtradition heraus schaffen wir Architektur für Menschen – kontextbezogen, langlebig und flexibel. Unsere Arbeitsweise basiert auf Co-Creation: Durch offenen Austausch und im Team entstehen bessere, gemeinsam entwickelte Lösungen.

Wir setzen auf dichte, lebenswerte Städte und betrachten Landschaft als wesentlichen, identitätsstiftenden und anpassungsfähigen Bestandteil. Dabei nutzen wir vorhandene Ressourcen und transformieren Bestehendes.

Meilenstein-Projekte

Es fällt nicht leicht, die wichtigsten Projekte von Cobe auszuwählen. Karoline Liedtke-Sørensen legt sich auf fünf fest:

1 Nordhavn: Ein Masterplan für die ganze Nachbarschaft

Eines der bekanntesten Projekte des Büros ist der Nordhavn in Kopenhagen, wo sich auch das Cobe-Büro befindet. Schon 2008 gewann das damals noch recht kleine Team den großen offenen Wettbewerb mit seinem Masterplan für die nächsten 50 Jahre. Der frühere Industriehafen ist über eine Fläche von 280 ha gemeinsam mit Partnern wie Sleth Architekten zu einer Nachbarschaft geworden, die künftig Wohnraum für 40.000 Bewohnende und Arbeitsraum für weitere 40.000 Menschen bieten wird. Öffentliche Räume, Promenaden, Fahrradwege und eine Windschutz-Pflanzanlage gehören zum Programm.

Heute ist das Stadtviertel am Wasser ein Aushängeschild für die ganze Stadt. „Wir waren selber überrascht, wie voll es am Sandkaj manchmal wird. Durch die vielen Nutzenden und Besuchenden haben sich die täglichen Ansprüche geändert, weshalb wir bereits dabei sind, nachzujustieren - wichtig für jedes Projekt. Am Nordhavn arbeiten wir zusammen mit der Kommune daran, Strategien für zusätzliche Toiletten und Mülleimer und für Fahrradparkplätze zu integrieren“, erklärt Liedtke-Sørensen. Das Büro hat im Laufe dieses beliebten Projekts auch wichtige Lektionen gelernt und zum Beispiel die Straßenbepflanzung angepasst. „Aber vor allem freuen wir uns, dass der Nordhavn so eine Attraktion geworden ist – Architektur und gute Freiräume als Sehenswürdigkeit, aber eben auch als Ort zum Zeitverbringen.“

2 Deutzer Hafen in Köln: Vom versiegelten Industriehafen zum klimafitten öffentlichen Raum

Auch in anderen Ländern finden sich Cobe-Projekte, wie etwa der Deutzer Hafen in Köln. 2016 gewann das Büro den Wettbewerb, um den früher industriell geprägten Hafen zu einem attraktiven öffentlichen Raum zu machen. Dies war einer der ersten Masterpläne, der den Hochwasserschutz direkt mitdachte, etwa durch eine überschwemmbare Promenade, Parks als Hochwasserretention und Wasserkreisläufe. Insgesamt werden drei neue Parks, eine Promenade und neun Plazas auf einer Fläche von 29 ha entstehen. Derzeit befindet sich das Projekt in der Leistungsphase 5, unterstützt von RMPSL, und wurde bereits mit DGNB-Platinum prä-zertifiziert. 2034 soll der neue Deutzer Hafen mit Raum für 5.000 Bewohnende und 4.500 Arbeitsplätzen fertig werden.

3 Ultra-fast charging stations

Aber neben Hafentransformationen arbeitet Cobe auch an kleineren Projekten, wie etwa an ultraschnellen Elektro-Ladestationen. „Diese Holz-Dachkonstruktionen wachsen hoch wie kleine Bäume oder Pilze. In einer halben Stunde lädt das Auto, aber auch die Fahrenden sind eingeladen, auszusteigen und ihre eigenen Batterien aufzuladen“, erklärt Karoline Liedtke-Sørensen. Die Ladestationen, entstanden in Kooperation mit dem EV-Ladenetzwerk Clever, sollten eigentlich vor allem ein Architekturprojekt werden. Aber in typischer Cobe-Herangehensweise spielt hier auch die Landschaftsarchitektur eine große Rolle.

„In diesen Projekten haben wir viel mit dem Stück Landschaft gearbeitet, das wir besetzen. Wir möchten es besser verlassen, als es vorher war – mit neuen Habitaten für Insekten, für Vögel und für Menschen. Deshalb haben wir starke Biodiversitätsstrategien genutzt, um die Auto-Infrastruktur, eigentlich eine fremde Typologie, mit Biodiversität zu kombinieren und zum Beispiel Steine und Totholz zu integrieren.“ Die Ladestationen sind entlang Autobahnen und inzwischen auch in Kopenhagen zu finden. Der Plan ist, sie Richtung Norwegen und Schweden auszuweiten.

4 Opera Park: 628 Bäume für die Stadt

Das erste reine Landschaftsarchitekturprojekt von Cobe war der Opera Park. Die preisgekrönte Oase mit 2,15 ha Fläche wurde 2023 fertig. Dies gab dem Planungsbüro die Möglichkeit, einen ganzen Park neu aufzubauen. „Der Park dient als atmosphärischer Auftakt für die Oper und leiht sich Elemente von ihr aus“, so Liedtke-Sørensen. „Als Garten nimmt er einen aus dem Alltag heraus und bringt einen in eine andere Welt mit ein bisschen Drama und verschiedenen Welten.“ Das Wegesystem mäandert durch sechs verschiedene Gärten – eben kein großer Spielplatz, sondern viele kleine Räume zum Zurückziehen.

„Der Opera Park dient als atmosphärischer Auftakt für die Oper und leiht sich Elemente von ihr aus.“ Karoline Liedtke-Sørensen, Cobe

„Zugleich ist es aber doch nicht nur Landschaftsarchitektur, sondern ein Wesen, das Architektur und Landschaft verbindet“, erklärt die Planerin. Unter dem Park befindet sich eine Parkgarage mit zwei Ebenen für bis zu 300 Autos. In ihrer Mitte befindet sich ein Gewächshaus, das in den Park hineinwächst. „Zugleich fällt der Park durch das Gewächshaus runter und bringt Licht in die Garage. […] So verschmelzen Architektur und Landschaft und verwachsen miteinander. Der Wintergarten ist eine ganz eigene Raum-Typologie.“ Wie bei den Ladestationen ist auch hier die Idee, dass Besuchende, die mit dem Auto ankommen, im Garten- und Naturraum die erste Berührung mit der Oper haben – ein atmosphärischer Auftakt.

5 Jernbanebyen: Autofreier Stadtteil statt Bahnfläche

Auch dieses Highlight darf nicht fehlen: Die ehemalige Bahnfläche in Jernbanebyen, Kopenhagen, wird seit Wettbewerbsgewinn 2021 von Cobe zu einem größtenteils autofreien Stadtviertel. Auf einer Fläche von 55 ha demonstriert das Büro, wie Mobilität den Zusammenhalt der Nachbarschaft stärken kann. „Wie kann man Straßen neu denken, den Verkehr so weit wie möglich aus der Straße nehmen und stattdessen öffentlichen Raum für das ganze Quartier schaffen? Mit mehr Grün und mehr Platz für Bäume und Gärten?“ – dies war die Leitfrage für den Masterplan. Über die nächsten Jahre wird diese lange brachliegende Industriefläche zu einem Stadtteil für Fußgänger und Radfahrende. Die denkmalgeschützten Werkstattgebäude beherbergen künftig kreative Geschäfte und Start-ups. Daneben sollen städtische, öffentliche Räume, Wohnungen, Läden, Restaurants und Kultureinrichtungen entstehen.

Das Prinzip der Kante

Apropos Nachbarschaftsentwicklung: Cobe ist für seine attraktiven öffentlichen Räume bekannt. Diese gelingen durch den Fokus auf Details. „Beim Nordhavn zum Beispiel haben wir in Zusammenarbeit mit einer Schule junge Mädchen gefragt, was sie eigentlich brauchen.“ Auch der Ansatz, Kontakt zum Wasser herzustellen, prägt die Nachbarschaftsentwicklung. „Wir halten immer die Kante zum Wasser frei. Sie ist ein öffentlicher Raum, an dem alle entlanggehen, schauen, schwimmen oder mit dem Boot anlegen können.“

Die Landschaftsarchitektin erklärt das Prinzip der Kante, das bei Cobe sehr wichtig ist: „In der sogenannten Kantzone trifft sich privates Leben im Erdgeschoss mit dem öffentlichen Leben auf der Straße. Wir denken privat und öffentlich mit. Das können kleine Austritte sein – manchmal nur ein halber Meter für Blumentöpfe oder Bänke, manchmal vier Meter vor dem Haus für einen kleinen Garten.“ Indem das Gebäude von der Baufeldgrenze zurück rückt, bleibt ein nicht bebaubares Stück Land offen, das ermöglicht, sich zu treffen. „Das haben wir in verschiedenen Projekten durchdekliniert und versucht, zu sichern, dass eine Nachbarschaft nicht auseinanderfällt, sondern sich trifft und zusammenhält.“

Lektionen aus deutschen Büros

Natürlich kann Cobe trotz seiner Leistungen auch von anderen Büros und Ländern lernen. Zum Beispiel nennt Liedtke-Sørensen die deutschen Regelungen zu Sozialwohnungen, die bei Neubauten mitgedacht werden. Eigentums- und Mietwohnungen zu vermischen ist eine weitere Strategie, die in Deutschland gut funktioniert, aber in Dänemark noch nicht viel mitgedacht wird. Auch Bürgerbeteiligungsprozesse in verschiedenen Wettbewerbsphasen sind in Deutschland weiter entwickelt. In Dänemark wird eher von oben herab geplant. Zugleich scheinen die Dänen ihren Planenden auch mehr zu vertrauen. Dabei hilft es, dass ein starker Sinn für gute Gestaltung im Land weit verbreitet ist, während hierzulande oft eher Misstrauen herrscht.

„Ich schätze die Arbeitskultur hier sehr. Die Hierarchien und die Teamarbeit drehen sich um das Projekt selbst“, so die Landschaftsarchitektin. Das Büro besetzt Teams ideell um ein Projekt herum und bezieht dabei stets verschiedene Disziplinen mit ein, ohne einen Schwerpunkt auf Hierarchien zu setzen. Dies zeigt sich selbst am Sitzplan: „Wir sitzen in Projektgruppen, nicht in Abteilungen wie in einem klassischen Landschaftsarchitekturbüro.“ Das Büro ist wie ein Studio organisiert, mit ausgedruckten Arbeitsständen der Projekte an den Wänden, sodass Projektfortschritte für alle sichtbar werden. Und auch die Idee der Kante ist am Bürostandort sichtbar: Ein Café im Eingangsbereich lädt die Menschen von außen ein. „Als Architekturbüro sind wir Teil der Stadt und gestalten sie mit. Deshalb stellen wir wechselnd Modelle aus und schreiben eine Cobe-Zeitung mit“, so Liedtke-Sørensen.

Gründe von Cobe: Dan Stubbergaard
Gründe von Cobe: Dan Stubbergaard © Enok Holsegaard

Von den Dänen könne man die Begeisterung für Architektur und Landschaftsarchitektur lernen, so ihre Aussage. So sehe man, wie sich der Alltag der Menschen positiv verändern lässt. „Man macht es hier nicht so kompliziert: In der Architektur geht es um räumliche Qualitäten und Erfahrungen. Das muss nicht zu akademisch sein – wo kann man gut die Sonne genießen und einen Kaffee trinken?“

Zugleich gilt es natürlich, große Herausforderungen wie Klimawandel und Artenschwund im Blick zu behalten. Aber nach 20 Jahren und mit 180 Mitarbeitenden zeigt Cobe, wie auch ernsthafte Lösungen das Spielerisch-Ästhetische integrieren können. „Bewusste Gestaltung führt zu Wertschätzung. Wir nennen das „the extraordinary everyday““, so schließt Karoline Liedtke-Sørensen das Interview.

Cobe Bürodaten
  • Bürogründer: Dan Stubbergaard (2006)
  • Gesellschaftsform: LLC
  • Mitarbeiter: 180, davon Landschaftsarchitekten, Hochbauarchitekten, Stadtplaner, Biologen/Ökologen
  • Auftraggeber: 50 % öffentlich, 50 % privat
Autor:in
Laura Puttkamer
ist seit 2017 freie Journalistin im Bereich Landschaftsarchitektur und Stadtplanung. Seit ihrer Zusatzausbildung am Solutions Journalism Institute konzentriert sie sich auf lösungsorientierten, konstruktiven Journalismus und präsentiert besonders gern Projekte und Initiativen, die nachhaltigere Städte ermöglichen. Kontakt: laura@parcitypatory.org
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