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Dachpark auf dem Aera, Berlin

178 Stufen zum Olymp

Schritt für Schritt, Stufe um Stufe gewinnen Besucherinnen und Nutzer an Höhe und erklimmen die Terrassen des Dachparks auf dem AERA Berlin. Das achtstöckige Bürogebäude trägt eine 2.200 m² große, kaskadenartige Parklandschaft, die nicht nur auf Sträucher, Stauden und Gräser setzt, sondern auch auf hoch- und mehrstämmige Bäume.

von Ute Christina Bauer erschienen am 10.02.2026
Blick auf den AREA Dachgarten: Eine über 2.000 m² große Parklandschaft mit Blick über Berlin © Dan Zoubek
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Im Aufstieg zeigen sich immer wieder neue Aspekte. Ist der höchste Punkt des AERA erreicht, wird man von einem atemberaubenden 360°-Panoramablick über Berlin belohnt. Geplant und umgesetzt wurde der aufwendig und abwechslungsreich gestaltete Dachpark vom Kreuzberger Planungsbüro Capattistaubach urbane Landschaften.

Das AERA ist ein moderner Büroneubau auf einem ehemaligen Kraftwerksgelände in Berlin-Charlottenburg. Auf einer flexibel aufteilbaren Mietfläche von rund 12.000 m² sollen hier bis zu 1.000 Menschen arbeiten können. Das Gebäude liegt auf der Mierendorffinsel, einem von der Spree und mehreren Kanälen umflossenen Quartier mit eher sprödem Charme. Hier mischen sich Wohnen, Gewerbe, Dienstleistungen und öffentliche Institutionen, durchsetzt von Grünanlagen und Kleingärten. Noch ist vieles unfertig und im Werden begriffen; im Rahmen einer umfassenden Quartiersentwicklung sind über 100.000 m² neue Wohn- und Gewerbeflächen geplant. Noch wirkt das AERA hier wie ein versehentlich gelandetes Ufo. Aber es soll in dieser Nachbarschaft Pionier des Wandels sein.

Lageplan Aufsicht
Lageplan Aufsicht © Capattistaubach

Grünes Gebäude der Zukunft

Die Grundsteinlegung des AERA erfolgte im März 2022, fertiggestellt wurde es im August 2024. Bauherr war der bundesweit aktive Projektentwickler Bauwens, der mit den Planungen noch vor der Coronapandemie begonnen hatte. Integraler Bestandteil des Gesamtkonzepts war von Beginn an auch der Bau eines repräsentativen Dachgartens. Der Gebäudeentwurf stammt aus der Feder von Grüntuch Ernst Architekten, mit der Planung und Umsetzung des Dachparks beauftragte Bauwens das Büro Capattistaubach direkt. „Unser Ziel war es, das grüne Gebäude der Zukunft zu errichten“, schwärmt Bauwens auf seiner Website. Und Tancredi Capatti von Capattistaubach, der für Entwurf und Ausführung des Dachparks verantwortlich zeichnet, betont: „Das AERA ist ein Manifest dafür, dass sich Architektur, urbane Natur und Ökologie vereinen lassen und so ein neuartiges, lebenswertes Arbeitsumfeld entstehen kann. Die Idee war, dass auf dem gesamten Dach eine Parkanlage als öffentlich zugängliche Fläche für alle Berlinerinnen und Berliner entsteht.“ Nicht zuletzt soll der begrünte Dachgarten des AERA auch zu einem verbesserten Stadtklima beitragen und mit seiner Pflanzenwelt pro Jahr insgesamt zirka 5 t CO2 binden.

Durch den Park gehen

Über eine begrünte Außentreppe auf der Gebäuderückseite gelangen Besucher vom Erdgeschoss bis auf die Höhe der fünften Etage, wo der eigentliche Dachpark beginnt. Von hier erstreckt er sich in mehreren Ebenen, mit durchgehenden Wegen und Treppen bis zum achten Stock, dem Höhe- und Endpunkt des Parks. Dabei befindet sich die Aufenthaltsebene stets etwas oberhalb der transparenten Geländer. „Dieser kleine Höhenunterschied vermittelt einen Eindruck von Freiheit und Leichtigkeit. Man fühlt sich nie eingegrenzt oder eingekesselt“, so Capatti. Man habe keine klassischen Terrassen bauen wollen, sondern eine Parklandschaft, durch die man sich kontinuierlich bewegen und auf jeder Etage Neues entdecken kann.

Der Dachpark ist üppig mit Bäumen, Rasen, Gräsern und Stauden ausgestattet. Von November 2023 bis April 2024 wurden 27 Bäume gepflanzt, davon 22 direkt auf dem Dachpark. Dafür wurden in einer spektakulären Aktion bis zu 12 m hohe Bäume per Kran in die Lüfte gehoben. Die Bäume dürfen maximal 12 m hoch werden, die Ölweiden (Elaeagnus angustifolia) haben mit circa vier bis fünf Metern ihre Wuchshöhe fast erreicht, während einige Ahorne (Acer opalus) und Kiefern (Pinus sylvestris) noch etwas wachsen dürfen.

Der Dachgarten ist als öffentlich zugänglicher Freiraum konzipiert.
Der Dachgarten ist als öffentlich zugänglicher Freiraum konzipiert. © Dan Zoubek
„Man hat fast den Eindruck, über die Stadt zu fliegen.“ Tancredi Capatti, Capattistaubach

Der Standort war für die Planer eine große Herausforderung. Die Vegetation ist teilweise extremen Naturphänomenen ausgesetzt: starker Wind und intensive Sonneneinstrahlung, sengende Hitze und bittere Kälte. Entsprechend wurden standortgerechte Bäume gewählt, beispielsweise Acer opalus anstelle der in Deutschland klassischen Ahornarten. „Er wird häufig im mediterranen Raum verwendet und verträgt hohe Temperaturen besser“, so Capatti. Klimaangepasstheit und Standortgerechtigkeit seien Kriterien, die man berücksichtigen muss, wenn man mit Bäumen über Jahrzehnte Erfolg haben will. „Die verwendeten Eichen (Quercus petraea), Kiefern (Pinus sylvestris) und Zierkirschen (Prunus × yedoensis) haben sich seit ihrer Pflanzung bestens entwickelt.“

Als Untergrund für die Pflanzen wurde eine etwa 150 cm mächtige Substratschicht flächig aufgebracht. Damit sind auch die Bäume gut versorgt und können sich ausbreiten. Neben den Bäumen wurden mehr als 13.000 Unterpflanzungen verwendet: zirka 7.000 Blumenzwiebeln (Narcissus) und 6.500 Stauden und Gräser. „Dabei haben wir auf Biodiversität und schöne Blühaspekte geachtet“, sagt Capatti. Die GaLaBau-Arbeiten hat das Hamburger Unternehmen Klaus Hildebrand durchgeführt, das in Berlin weitere Dächer gebaut hat. „Die Firma Hildebrandt hat darin große Expertise und war der richtige Partner.“

Neben den Bäumen wurden mehr als 13.000 Unterpflanzungen verwendet, davon rund 6.500 Stauden und Gräser.
Neben den Bäumen wurden mehr als 13.000 Unterpflanzungen verwendet, davon rund 6.500 Stauden und Gräser. © Dan Zoubek
22 Bäume stehen oben auf dem Dachpark. Per Kran wurden die bis zu 12 m hohen Exemplare nach oben transportiert.
22 Bäume stehen oben auf dem Dachpark. Per Kran wurden die bis zu 12 m hohen Exemplare nach oben transportiert. © Dan Zoubek

Ökologischer Mehrwert

„Projekte wie das AERA haben in einer verdichteten Stadt großen ökologischen Mehrwert – auch für die Tierwelt. Wir haben versucht, diesen noch zu steigern“, erklärt Capatti. Etwa mit eigens angelegten Sandlinsen, in denen Sandbienen und andere Insekten einen Lebensraum finden sollen. Die Fauna findet die Orte, an denen sie sich ansiedeln mag, aber auch selbst: Vögel haben den Dachpark für sich entdeckt und nisten dort. In die unterste Stufe der Holztribüne ist eine kleine Garage für den Rasenroboter integriert. Hier hat sich im Winter ein Fuchs einquartiert. „Der Fuchs war nicht geplant, aber wir haben uns sehr über ihn gefreut und ein paar schöne Videos mit ihm gedreht.“

„Die Frage war, was ein Büro heute leisten muss. Es geht nicht mehr nur ums Arbeiten, sondern gleichzeitig auch um Erlebnisse wie Teamevents“ Tancredi Capatti

Bewässert wird der Dachpark in trockenen Perioden über eine automatisierte Anlage. Wenn es regnet, versickert das Wasser durch das Substrat in darunterliegende Wasserretentionsboxen, die mit Kapillarmatten bedeckt sind. Auch der Belag der Wege ist wasserdurchlässig. Über die Kapillarmatten saugen sich die Pflanzen das benötigte Wasser an. Überschüssiges Wasser versickert von Terrasse zu Terrasse, bis es in einem Staukanal im Erdgeschoss landet. Dieser ist perforiert, sodass das Wasser ins Grundwasser gelangen kann.

Transformation der Arbeitswelt

Während und nach der Corona-Pandemie haben Freiräume in der Arbeitswelt an Bedeutung gewonnen. „Die Frage war, was ein Büro heute leisten muss. Es geht nicht mehr nur ums Arbeiten, sondern gleichzeitig auch um Erlebnisse wie Teamevents“, erklärt Capatti. So will auch das AERA mehr sein als nur ein Arbeitsplatz: „In diesem Gebäude sind die Büros und die Freiräume miteinander gekoppelt. Das soll das Wohlbefinden und die Kreativität der Nutzer steigern.“

Über eigene Zugänge können Beschäftigte den Dachpark direkt von ihren Büros erreichen. An mehreren Stellen wurden Tische und Bänke platziert, auch an WLAN-Säulen und Steckdosen wurde gedacht. So kann man outdoor arbeiten, seine Pause verbringen oder Besprechungen abhalten. Gepflegte Rasenflächen stehen für Sonnenbäder, Happenings oder Yogaworkouts zur Verfügung; auf der sechsten Etage können sich bis zu 85 Menschen auf einer gestuften Sitztribüne versammeln.

Ankunft im Olymp

Nach 178 Stufen gelangt der Flaneur im achten Geschoss an, das auch direkt per Lift erreicht werden kann. Hier eröffnet sich in 29 m Höhe ein großartiger Panoramablick über ganz Berlin. Der Alexanderplatz mit dem Fernsehturm, das Rathaus Charlottenburg, der Teufelsberg – alles scheint zum Greifen nah. „Man hat fast den Eindruck, über die Stadt zu fliegen“, beschreibt Capatti das Gefühl. Eine Panoramaplattform, die wie die Tische, die Bänke und die Tribüne aus witterungsbeständigem Eichenholz angefertigt ist, bildet den Höhepunkt. Leider ist der achte Stock jedoch nicht permanent für die Öffentlichkeit bestimmt. „Wir hätten uns gewünscht, dass alle Geschosse stets frei zugänglich sind. Aber für Mieter mit erhöhten Sicherheitsansprüchen mussten wir eine Absperrmöglichkeit schaffen.“

Oben angekommen, belohnt ein Rundumblick über Berlin.
Oben angekommen, belohnt ein Rundumblick über Berlin. © Dan Zoubek
„Wir haben zum ersten Mal erlebt, dass uns ein Bauherr anspornte, noch größer, noch schöner zu planen.“ Tancredi Capatti, Capattistaubach

Warten auf Bewunderer

Im August 2024 hat Bauwens das Objekt an die Münchner Real I.S. AG verkauft. Der auf Immobilieninvestments spezialisierte Fondsdienstleister bemüht sich seitdem um die Vermarktung der bezugsfertigen Büros. Bislang ohne offensichtlichen Erfolg; Homeoffice und eine schwache Konjunktur machen die Vermarktung schwierig. So steht das Objekt Anfang 2026 immer noch komplett leer. „Trotz der malerischen Lage an der Spree mit schönen Blickbezügen konnte leider noch kein Mieter gefunden werden“, bedauert Capatti.

Für Capattistaubach urbane Landschaften war der Dachpark auf dem AERA aufgrund seiner Dimension und der Großzügigkeit des Bauherrn ein besonderes Projekt: „Wir haben zum ersten Mal erlebt, dass uns ein Bauherr anspornte, noch größer, noch schöner zu planen.“

Da auch die Eingangspforte nicht besetzt ist, ist der Dachpark entgegen den ursprünglichen Plänen bisher nicht frei zugänglich. Er kann nur nach vorheriger Absprache mit dem Facility-Management besucht werden. So bleibt zu hoffen, dass die Öffentlichkeit nicht mehr allzu lange darauf warten muss, den eindrucksvollen Dachpark besuchen zu können.

Die Vegetation ist hier teilweise extremer Witterung ausgesetzt: starker Wind und intensive Sonneneinstrahlung, sengende Hitze und bittere Kälte.
Die Vegetation ist hier teilweise extremer Witterung ausgesetzt: starker Wind und intensive Sonneneinstrahlung, sengende Hitze und bittere Kälte. © Dan Zoubek
Autor:in
Ute Christina Bauer
ist Dipl.-Geographin und ausgebildete Journalistin. Sie lebt in Berlin und schreibt unter anderem über Stadtentwicklungs- und Grünthemen. Kontakt: ubauer@pressebuero-transit.de
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