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Best Practice

Schule mit optimiertem Wassermanagement

Eine dezentrale Regenwasserbewirtschaftung zählt als wichtiger Bestandteil des Schwammstadtkonzepts. Die Freiraumplanung eines Schulneubaus in Berlin zeigt, wie ein Baustein urbaner Infrastruktur für ein optimiertes Wassermanagement aussehen kann.

von Mall GmbH erschienen am 26.03.2026
Die zwei parallel verlaufenden Sickertunnel unter dem zukünftigen Sportplatz der Schule. Vorne links im Bild ist einer der Filterschächte zu sehen. © BTW GmbH Tiefbau-Unternehmung
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Bis Ende 2026 entsteht im Bezirk Hellersdorf die Integrierte Sekundarschule (ISS) Garzauer Straße für rund 600 Schülerinnen und Schüler. Das Ensemble umfasst ein Schulgebäude mit Sporthalle und dazugehörige Sport- und Freiflächen. Bauherrin ist die kommunale Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE. Vorgabe war, dass sämtliches auf den Dach- und Grundstücksflächen anfallendes Regenwasser zukünftig direkt vor Ort und dezentral versickert wird. Ein Kanalanschluss für das Bauvorhaben ist weder vorhanden noch genehmigungsfähig. Die Planer konzipierten daher eine Lösung nach Schwammstadt-Prinzipien.

Da sich die Bodenbeschaffenheit nicht für Sickerschächte eignete, entschied man sich für Tunnelrigolen und vorgeschaltete Filterschächte.

Wasservorbehandlung in Filterschächten

Die HOWOGE ließ insgesamt vier solcher Anlagen zur Regenwasserbewirtschaftung installieren.

Das auf den Schuldächern sowie auf den Freiflächen anfallende Wasser wird jeweils in einen Filterschacht FS 85 geleitet. Diese gehören nach DIN 1989 zu Typ A mit Schmutzrückhalt und maximieren die Wasserausbeute. Die Filterschächte aus Stahlbeton-Fertigteilen in monolithischer Rundbauweise sind für Großanlagen mit bis zu 10.000 m² Fläche und eine Durchflussmenge bis 270 l/s ausgelegt. In ihrer Mitte befindet sich ein zylindrischer Filtereinsatz, auf den das Regenwasser von allen Seiten und auf ganzer Höhe zuströmen kann. Alle Schmutzpartikel, die größer als 0,6 mm sind, werden zuverlässig zurückgehalten. Das große Schachtvolumen dient als Sand- und Schlammfang.

Die Filterschächte aus Stahlbeton-Fertigteilen in monolithischer Rundbauweise sind einfach zu montieren.
Die Filterschächte aus Stahlbeton-Fertigteilen in monolithischer Rundbauweise sind einfach zu montieren. © BTW GmbH Tiefbau-Unternehmung

Aus Tunnelrigolen ins Grundwasser

Das aufbereitete Regenwasser fließt in zwei Sickertunnel. Unterhalb der Tunnel wurde der Geschiebemergel bis zur wasserführenden Sandschicht durch wasserdurchlässiges Bodenmaterial ausgetauscht, was die Sickerfläche im Vergleich zur ursprünglich geplanten Lösung mit den Sickerschächten vergrößert und die Leistungsfähigkeit deutlich erhöht. Die unterirdischen Tunnelrigolenanlagen haben eine Länge von 15 m pro Rigole und können jeweils rund 36 m³ Wasser aufnehmen. Nach und nach wird das Wasser entsprechend der Versickerungsfähigkeit des Bodens dem Erdreich und damit dem Grundwasser wieder zugeführt, ähnlich einem natürlichen Wasserkreislauf.

Vorteil Sickertunnel

Sickertunnel bieten Vorteile gegenüber kubischen Füllkörpern – insbesondere dann, wenn sie aus Stahlbeton bestehen. Die Hohlräume kommen ohne innere Aussteifungen aus und sind statisch stabil (ausgelegt für Verkehrslasten bis SLW 60, durch LKW sicher befahrbar). Die flache, breitflächige Bauweise ermöglicht ein deutlich besseres Verhältnis zwischen Sickerfläche und Rückhaltevolumen. Dank der statisch möglichen oberflächennahen Anordnung der Tunnelrigolen lässt sich der empfohlene Sickerweg von 1 m Länge zwischen Anlagensohle und Grundwasserspiegel oftmals einfacher erreichen.

Die Montage der Sickertunnel wurde durch ihre Modulbauweise erleichtert. Beide Anlagen bestehen aus sechs Stahlbetonelementen, die bequem vor Ort zusammengesetzt wurden. Der Werkstoff Beton erlaubte zudem den Verzicht auf eine Geotextilummantelung. Die Innenhöhe von 1,25 m macht die Sickertunnel nach der Definition der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) begehbar, das erleichtert Wartung und Betrieb.

Die Montage der Sickertunnel wurde durch ihre Modulbauweise erleichtert.
Die Montage der Sickertunnel wurde durch ihre Modulbauweise erleichtert. © BTW GmbH Tiefbau-Unternehmung

Baumrigolen erhöhen Verdunstungsleistung

Als weiteres Element des Schwammstadt-Prinzips wurden Baumrigolen in das Regenwasserbewirtschaftungskonzept integriert. Die Baumscheiben nehmen das Wasser von umliegenden gepflasterten Schulhofflächen auf. Die Baumsubstratgruben, werden von dem umgebenden lehmigen Geschiebemergel abgedichtet. Große Teile des Wassers verdunsten über die Baumkronen und verbessern das Mikroklima. Bei Überschreitung einer kritischen Anstauhöhe wird das Wasser über Drainrohre und Überlaufschächte in die Tunnelrigolen abgeführt.

Mikroplastikaustrag beim Sportplatz

Der Schulsportplatz ist ebenfalls in die Regenwasserbewirtschaftung einbezogen.

Um eine Drainage einzusparen wurden hier ebenfalls Tunnelrigolen eingebaut: Zwei parallel verlaufende Stränge wurden unter der Sportplatzfläche platziert. Das eingebrachte Kiessand-Gemisch um die Rigolen herum übernimmt die Drainagefunktion.

Querschnitte der Filterschächte und der Sickertunnel unter dem Schulsportplatz.
Querschnitte der Filterschächte und der Sickertunnel unter dem Schulsportplatz. © Mall GmbH

Den Tunnelrigolen vorgeschaltet sind zwei Filterschächte FS85. „Der Kunstrasen des Sportplatzes setzt beim Regenwasserabfluss Mikroplastik frei, daher verlangt die Wasserbehörde eine entsprechende Reinigung“, erläutert die Planerin Anne Wehrmann. Die Vorbehandlung durch die mit Feinsieben ausgestatteten Filterschächte wurde als behördlich erlaubnisfähig angesehen.

Die beiden Sickertunnel unter dem Sportplatz haben Verbindungsleitungen, sodass sich das Wasser gleichmäßig verteilt.
Die beiden Sickertunnel unter dem Sportplatz haben Verbindungsleitungen, sodass sich das Wasser gleichmäßig verteilt. © Mall GmbH

Das gefilterte Regenwasser gelangt dann in die zwei Sickertunnel. Sie bestehen aus jeweils elf Betonelementen und sind damit noch größer dimensioniert als die oben beschriebenen Anlagen. In den Tunnelrigolen lassen sich Niederschlagsmengen von insgesamt mehr als 134 m³ aufnehmen, die über Verbindungsleitungen zwischen den Röhren gleichmäßig verteilt werden. Zusätzliches Retentionsvolumen stellt das in die Baugrube eingebrachte Füllmaterial bereit. Final erfolgt die kontrollierte Versickerung ins Grundwasser.

Kostenfreier Download – die 11. Auflage erscheint im Mai 2026
Die Broschüre „Ratgeber Regenwasser“ richtet sich an Kommunen und Planungsbüros und thematisiert in Beiträgen von ausgewählten Experten die Aspekte Rückhalten, Nutzen, Verdunsten, Versickern und Behandeln als Bereiche der sogenannten Regenwasserbewirtschaftung.
Die Broschüre „Ratgeber Regenwasser“ richtet sich an Kommunen und Planungsbüros und thematisiert in Beiträgen von ausgewählten Experten die Aspekte Rückhalten, Nutzen, Verdunsten, Versickern und Behandeln als Bereiche der sogenannten Regenwasserbewirtschaftung. © Mall GmbH
Arbeitsblatt DWA-A 138-1

Planung, Bau und Betrieb von Anlagen der Regenwasserbewirtschaftung müssen den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen. Maßgebend sind die von der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) herausgegebenen Arbeitsblätter.

Das im Oktober 2024 in neuer Fassung veröffentlichte Arbeitsblatt DWA-A 138-1 betrifft die Regenwassereinleitungen ins Grundwasser innerhalb von Siedlungsgebieten. Es gilt für Niederschlagswasser, das aus dem Bereich von befestigten oder bebauten Flächen gesammelt abfließt und gezielt in das Boden-Grundwasser-System versickert wird. Praxisbewährte Maßnahmen und Anlagen zur Versickerung werden im DWA-Arbeitsblatt erklärt und die dabei erforderlichen hydrogeologischen Randbedingungen sowie die nötigen Maßnahmen zum Schutz der Bodenfunktion und des Grundwassers beschrieben. Die neue Ausführung von DWA-A 138-1 unterscheidet sich von der Vorgängerversion zum Beispiel bei der Bewertung von Maßnahmen zur Vorbehandlung und bei den Bemessungsverfahren. Vor der Versickerung ins Grundwasser ist grundsätzlich eine Behandlung des Regenwassers durch Filteranlagen erforderlich.

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