
Standards oder Sonderlösung?
Überall dort, wo Menschen sich begegnen, entsteht der Wunsch nach einem Ort zum Verweilen. Sitzinseln bieten uns das – doch bei der Gestaltung dieser Rückzugsorte stellt sich eine wichtige Frage: Muss es immer eine Sonderlösung sein? Reichen nicht auch durchdachte Standards aus?
von Angela Reißenweber erschienen am 12.12.2025Stadtmobiliar als Sonderlösung hat den Vorteil, eigens auf einen Ort zugeschnitten und damit individuell und prägnant zu sein. Doch ist sie in der Regel auch teurer und aufwendiger im Unterhalt. Standardlösungen werden von vielen mit Durchschnittslösungen gleichgesetzt – wer möchte das schon? Bleibt es also ein hehrer Wunsch, mit Standardprodukten auf spezifische Anforderungen und Situationen reagieren zu können?
In der Praxis geht es nicht nur um Design, um Individualität und Unverwechselbarkeit – es geht um die Balance zwischen Gestaltung, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Das heißt, die wahre Herausforderung liegt darin, einen Raum im innerstädtischen Bereich zu schaffen, der sowohl praktisch als auch einladend ist, ohne sich in unnötigen Details zu verlieren. Die Lösung lautet also: Standardisiert planen, individuell umsetzen.
Warum Standards oft smarter sind
Modulare Serien beweisen es – Standardlösungen können heute so flexibel und vielseitig sein, dass sie nahezu unbegrenzte Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen. Für Planer bedeutet das: Standards sind längst keine Einschränkung mehr – sondern eine Chance für ebenso ansehnliche wie ökonomische Lösungen. Sie können der Schlüssel zu schnellen, wirksamen und nachhaltigen Gestaltungen im öffentlichen Raum sein. Viele Hersteller von Stadtmobiliar haben dies erkannt und sich Gedanken zum Thema gemacht. Inspiriert durch begrenzte Freiflächen im öffentlichen Bereich, gibt es gegenwärtig zahlreiche kreative Lösungen mit vielseitigen, modularen Produktserien, von denen wir nachfolgend einige vorstellen.
Übrigens: Die klassische Bank war über Jahrzehnte das Maß aller Dinge, wenn es um Sitzgelegenheiten im Außenbereich ging. Sozusagen eine Mini-Sitzinsel im öffentlichen Raum. Doch mit der Verdichtung von Städten, der Diversifizierung von Nutzungsansprüchen und der steigenden Bedeutung von Grünstrukturen, wuchs auch der Wunsch nach mehr informellen Formen des Sitzens. Trotzdem bleibt die Bank gefragt, denn Platz dafür ist in der kleinsten Ecke. Mit etwas Kreativität angeordnet, Lehne an Lehne, um einen Baum herum oder mit Pflanzkübeln kombiniert, bleibt sie gerade in kleineren und wenig finanzstarken Gemeinden ein Standard. Hier würden großzügige Sitzinseln auch häufig fehl am Platz wirken.
1 Aréa: Stadtmobiliar aus gebogenem Rundstahl
1Gestalter des öffentlichen Raums finden in den Modulen der Metallserien Antibes, Cannes und Nice viele Anregungen, um die vielfältigen Bedürfnisse der Nutzer zu erfüllen. Zur Auswahl stehen einfache oder doppelte Bänke, mit oder ohne Rückenlehne, gerade oder gebogen, als Liegestühle, Relax-Liegen oder Stehtische. Kompakt und einladend bieten sie dem Nutzer eine kleine Oase im öffentlichen Raum. Die Kombination von Design und Ergonomie ermöglicht es, sich auf diesen Möbeln wohlzufühlen – zum Beispiel auf dem 130 cm breiten Diwan Cannes. Er ist kompakt und schafft einen privaten Raum inmitten der Öffentlichkeit. Kombiniert mit den Bänken und Liegestühlen der Serie, lassen sich damit unterschiedlichste Wellen- oder Sitzlandschaften bilden, die je nach Zielsetzung mehr oder weniger Privatheit zulassen.
2 Benkert: Aus dem 3D-Drucker
2Mit der neuen Produktserie Ontigo präsentiert Benkert 3D-gedruckte Module. Das Ergebnis sind robuste und formschöne Stadtmöbel, gefertigt aus 100 % recycelten Industriefolien, glasfaserverstärkt für hohe Stabilität und komplett mit Ökostrom produziert. Die gerillte, matte Oberfläche ist widerstandsfähig gegen Kratzer und Schmutz, pflegeleicht und verleiht den Möbeln ein lebendiges Licht- und Schattenspiel. Der 3D-Druck eröffnet dabei eine Gestaltungsfreiheit, die mit klassischen Verfahren kaum möglich ist. Gleichzeitig überzeugen die Möbel durch ihr geringes Gewicht: Ein Ontigo-Banksegment wiegt rund 177 kg – im Vergleich zu rund 3,8 t bei Beton. Das erleichtert Transport und Montage, da auf Kran- oder Schwerlasttechnik verzichtet werden kann.
Zum Start umfasst die Serie zwei Linien: Ontigo 10, eine modulare Bank aus frei kombinierbaren Segmenten und optional mit integrierten Pflanzgefäßen. Sie können mit pulverbeschichteten Edelstahl-Komponenten kombiniert werden, etwa für Verbindungselemente, Pflanzeinsätze oder Ergänzungen wie Armlehnen und Tische. Ein Wasserablauf verhindert Staunässe und leitet Schmutz ab. Ergänzt wird die Bank durch Ontigo 20 – das sind markante Pflanzgefäße in verschiedenen Varianten, optional ausgestattet mit Sitzflächen.
3 Euroform W – nachhaltig Made in Italy
3Pocket Parks – oft auch Mini-Parks genannt – sind kleine, gezielt angelegte Grünflächen mitten in der Stadt, die spürbar zur Lebensqualität beitragen. Für ihre Umsetzung hat Euroform ein flexibles Baukastensystem entwickelt. Die Basis bildet eine modulare Plattform in der Größe eines Standardparkplatzes. Mehrere dieser Elemente lassen sich, je nach verfügbarem Raum und städtebaulichem Bedarf, beliebig aneinanderreihen. Darauf können Sitzgelegenheiten, Pflanzschalen oder leichte Schattenelemente kombiniert werden, sodass jeder Park individuell gestaltet werden kann. Die Module sind mobil, lassen sich bei Bedarf aber auch dauerhaft fixieren. Die Pocket Parks entstehen aus hochwertigen, langlebigen Materialien: FSC-zertifiziertes 100 % Hartholz und robuster Edelstahl. Gefertigt werden sie in eigener Werkstatt – sorgfältig von Hand und auf CO2-neutrale Weise. Diese Herstellung garantiert nicht nur hohe Qualität und Langlebigkeit, sondern ist auch ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz.
4 Michow: Multifunktional
4Michow setzt auf Lösungen, die sich im Baukastenprinzip individuell anpassen lassen und sowohl wirtschaftlich als auch gestalterisch viele Vorzüge in sich vereinen. Das ermöglicht maßgeschneiderte Lösungen für jedes Projekt.
Mit einem formgebenden Rand aus Laserzuschnitten, einer Verkleidung aus Stahlblech und einem Belag aus großen Holzlatten, verknüpft das Podest Ludwigshafen die Vorteile einer robusten Unterkonstruktion mit der Optik und Haptik von warmem Holz. Die Form des großzügigen Sitzelements lässt sich je nach Wunsch und Bedarf anpassen und zusätzlich mit Baumausschnitten ergänzen.
Großzügigen Platz ermöglicht auch das Podest Landau. Lattenverläufe aus naturbelassenen Hölzern bieten einen angenehmen Komfort. Die Größe lässt sich individuell gestalten. Zusätzlich hebt sich das Podest durch asymmetrisch platzierte Rückenlehnen-Elemente mit unterschiedlichen Neigungen ab.
Das Podest Levels kombiniert Sitzelement und Begrünung. Es sticht durch pflegeleichte und robuste HPL-Platten hervor. Unterschiedliche Uni-Dekore und HPL-Tafeln mit Holzdekoren lassen eine breite Farbpalette zu. Durch das reduzierte Gesamtgewicht eignet sich das Design auch für unterbaute Flächen.
5 Nordbahn – gemeinnützige Werkstatt
5Seit über 25 Jahren fertigt die Nordbahn gGmbH hochwertiges Stadtmobiliar aus Holz. Menschen mit und ohne Behinderungen arbeiten hier Seite an Seite in manufakturähnlicher Weise. Der Schwerpunkt liegt auf langlebiger und wartungsfreundlicher Ausstattung für öffentliche Bereiche.
Die Serie Kiel ist der Klassiker im Stadtmöbelbereich. Die Gestelle bestehen aus verschweißtem Rechteckrohrstahl, feuerverzinkt und zusätzlich pulverbeschichtet. Die Sitzflächen werden wahlweise mit Esche, Lärche, FSC-zertifiziertem Hartholz oder einem thermisch behandeltem Bambus belattet. Die Serie bietet eine Vielzahl an Produkten für verschiedene Altersgruppen. Kombiniert mit Tischen lassen sich so klassische, kleine Sitzinseln arrangieren.
Potsdam ist ein multifunktionales, mit Holz belattetes Podest, das sich für die Gestaltung von Sitzinseln eignet. Die stabile Unterkonstruktion besteht aus feuerverzinkten und zusätzlich pulverbeschichteten Vierkantstahlrohren. Die breiten Holzprofile sind wahlweise aus Lärchenholz, FSC-zertifiziertem Hartholz oder thermisch behandeltem Bambus. Innenseitig lässt sich optional ein Alu-Lochblech montieren. Das verhindert, dass Gegenstände durch die Fugen fallen.
6 Nusser : Von Sonderlösungen zu Standards
6Mit der Produktfamilie Rondo hat Nusser eine Serie eingeführt, die durch ihre runde Form vielfältig nutzbar ist: als reiner Pflanzbehälter, Sitzinsel oder Kombination aus beidem. Rondo schafft kleine grüne Inseln inmitten urbaner Strukturen und vereint so Aufenthaltsqualität und ökologische Funktionen.
Parallel dazu entstand Cubus, ein modulares Möbelsystem, das Aufenthaltsqualität, Begrünung und Klimaanpassung in einem Baukasten zusammenfügt. Unterschiedliche Module lassen sich frei kombinieren. Zwei Höhenstufen ermöglichen ebenso Sitzgelegenheiten wie großzügige Flächen für Bepflanzungen. Die Dimensionierung der Pflanzgefäße reicht nicht nur für Stauden- oder Strauchpflanzungen, sondern auch für Schattenspender wie Kleinbäume und Gehölze. Durch die modulare Konstruktion aus feuerverzinktem, pulverbeschichtetem Stahl, ist Cubus ohne schweres Gerät montierbar und bei Bedarf reversibel rückbaubar. Ob als dauerhafte Installation in Fußgängerzonen, temporäre Intervention auf Plätzen oder mobile Lösung für Dachflächen – das System reagiert auf unterschiedliche Anforderungen, ohne jeweils auf eine individuelle Sonderlösung angewiesen zu sein.
7 Runge: Baukastenprinzip
7Für Runge lautet die Antwort auf die Frage nach Standard oder Sonderlösung: Eine Produktfamilie, die sich nach dem Baukastenprinzip individuell zusammenstellen und an örtliche Gegebenheiten anpassen lässt.
Das Bankmodell Binga stellt eine solche Lösung dar. Die Rundbänke können als Vollkreis ausgeführt werden oder definierte Teilkreissegmente abbilden; es gibt sie als Außensitz mit Rückenlehne innen oder als Innensitz mit Rückenlehne außen. Immer frei nach Maß planbar – es sind nur Mindest-Innendurchmesser von 175 cm und beim Hocker 150 cm zu beachten. Auch Radien können variieren und so ovale oder freie Figuren schaffen. Ebenso wie die geraden Bänke lassen sich die Rundbänke auch mit höheren Armlehnen und Zwischenarmlehnen für Senioren ausstatten. Optional erhält die Bank integrierte LED-Bänder, die einseitig, mittig oder beidseitig unter den Holzleisten platziert werden.
Zur Binga-Familie gehören auch Pflanzbehälter in Größen bis zu einem Pflanzvolumen von 1,50 m³. Sie sind mobil und lassen sich mit einem Handhubwagen versetzen. Außerdem verfügen sie über Stellfüße für eine Niveauregulierung. Zur Kühlung kann der Binga PflanzX zusätzlich mit Hochdrucknebeldüsen ausgestattet werden – eine gute Idee für die zu heißen Sommertage in der Stadt:.
8 Vestre: Impulse zur Nachhaltigkeit
8Unity ist eine Möbelserie mit asymmetrischen Sitz- und Pflanzmodulen, die eine vielfältige, kreative Gestaltung ermöglicht. Durch verschiedene Höhen und geneigte Flächen, lassen sich die Module individuell kombinieren oder als Solitäre verwenden. Zusätzlich sind Pflanzwände integrierbar. Feuerverzinkter Stahl und Kiefernholz aus Skandinavien garantieren Witterungsbeständigkeit und Stabilität. Die Module sind in rund 200 RAL-Farben erhältlich und werden teilmontiert geliefert.
Das modulare Stadtmöbel Stoop kombiniert die Funktionen von Bank und Treppe: Das basiert auf der Beobachtung, dass Stufen im öffentlichen Raum häufig als Sitzgelegen-heit genutzt werden. Die Grundstruktur der Möbel besteht aus feuerverzinktem, optional pulverbeschichtetem Stahl, kombiniert mit bequemen Sitzflächen aus FSC-zertifiziertem Holz. Für den Außenbereich stehen Sitzflächen aus leinölimprägnierter Nordischer Kiefer oder Kebony zur Auswahl.
Das Bloc-System umfasst Sitzmodule und Pflanzkästen. Die Module bestehen aus skandinavischem Kiefernholz, das umweltfreundlich imprägniert wird, und Stahl aus Schweden, der rund 30 % weniger CO2-Emissionen verursacht als der weltweite Durchschnitt. Rund 20 % des Materials stammen aus Recyclingquellen. Die Module sind in einer Vielzahl von RAL-Farben erhältlich, Pflanzkästen ergänzen das System sinnvoll.
Standards sind kein Kompromiss, sondern eine Strategie. Sie bringen Systematik, Wartungsfreundlichkeit und gestalterische Ruhe in innerstädtische Bereiche.?Wer sie klug einsetzt, gestaltet nicht weniger individuell, sondern auch wirtschaftlich und nachhaltig.































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